Kamera: EOS 7D
Objektiv: Canon 24-70mm f/2.8
Software: Photoshop CS6

Ich mag diese Projekte bei denen mir eine kreative Idee für etwas Alltägliches einfallen soll, auf das ich normalerweise keinen Gedanken verschwenden würde.

Die Herausforderung dabei ist, konventionelle Herangehensweisen zu vermeiden und etwas wirklich Neues zu schaffen, anstatt bei einem bereits bekannten Motiv nur das Objekt auszutauschen.

Zu den charakteristischen Eigenschaften einer Blume gehören Farbe und Geruch – zwei Eigenschaften, die man in einem Bild ausdrücken soll, wobei selbstverständlich die Farbe im Vordergund steht. Farbe ist bei Blumen ein so starker visueller Faktor, dass ich sicher war, mir würde eine kreative Idee dazu kommen. So kam mir auch die Assoziationskette „Blume“, „Geruch“, Kosmetik“ und führte weiter zur Idee einer Kosmetik-Werbung.

Nun ging alles seinen Gang: Ich fuhr zum örtlichen Blumengroßmarkt und schaute mich um. Zuvor hatte ich bereits einen Lippenstift und Nagellack besorgt, beide in einem schönen intensiven Rot-Ton. Doch alle roten Rosen, die ich fand, waren ungeeignet. Ich brauchte ein idealtypisches Exemplar, das den Ansprüchen einer Großaufnahme unter Studio-Lichtverhältnissen genügen musste, was bedeutet, dass an der Blume nicht der geringste Makel sein darf, denn der würde sofort auffallen und den Betrachter ablenken. Es gab jedoch rosafarbene Rosen von denen mehrere den geforderten Ansprüchen genügten. Ich suchte mir eine aus, tauschte die Kosmetika gegen die gleichen Artikel passender Farbe um und machte mich an die Arbeit.

Ich fand schnell heraus, dass Rosa viel besser vor schwarzem als weißem Hintergrund aussah. Den Lippenstift stellte ich auf eine kleine Plexiglasplatte, die ich auf einen Bogen schwarzes Papier gelegt hatte, damit es eine Spiegelung geben würde. Die Beleuchtung bestand aus zwei Elinchrom 500W BRX, die mit je einem 1,80m großen Striplight versehen waren. Ich stellte sie seitlich und hinter dem Motiv auf, was für eine effektvolle Reflexion auf dem Lippenstift sorgen würde. An die Kamera kam mein bewährtes Canon 24-70mm f/2.8 Objektiv, und das Ganze wurde aufs Stativ montiert; dann stellte ich auf den Lippenstift scharf und schaltete den Autofokus aus.
Mit dem Kabelauslöser in der einen Hand, mit der anderen die Blume in Postion haltend, machte ich mehrere Aufnahmen. So erhielt ich wenigstens ein sauberes Bild, das ich als Grundlage verwenden konnte.
Ich legte die Rose beiseite, nahm den Nagellack und träufelte aus der Höhe, in der ich vorher die Rose gehalten hatte, vorsichtig mehrere Tropfen auf den Lippenstift, während ich wiederholt den Auslöser drückte. Diesen Vorgang wiederholte ich noch einmal, um sicher zu sein, das ich viele unterschiedliche Tropfen-Konstellationen haben würde, aus denen ich auswählen konnte.

Nachdem die Bilder in Photoshop geladen waren, suchte ich zunächst das Foto mit dem Lippenstift aus, dass ich verwenden wollte. Dann öffnete ich die Fotos, auf denen fallende Nagellacktropfen zu sehen waren. Die, die mir gefielen, legte ich als neue Ebenen über das Bild des Lipenstifts. Durch Ändern der Füllmethode der Bilder mit den Tropfen auf „Aufhellen“ waren nur noch Tropfen die in meinem Bild zu sehen, wodurch es sehr einfach war, jene zu löschen, die nicht im Bild haben wollte. Anschließend brauchte ich nor noch das Bild der Rose hineinzukopieren und es vorsichtig an seinen richtigen Platz zu ziehen, wobei ich auf die Tropfen-Ebenen einzoomte, damit der Übergang zwischen Tropfen und Rose so nahtlos wie mögich sein würde.

Das Ergebnis ist ein einfach aufgebautes, sauberes Foto für eine Kosmetikanzeige, auf dem es so aussieht, als liefe die Farbe des Lippenstifts aus der Blume heraus.

Blume mit Lippenstift
Rose

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